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Wie im echten Leben

Joris Luyendijk
Wie im echten Leben
Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges


Die meisten Auslandskorrespondenten lernen ihren Job im eigenen Land, bevor sie auf die Welt losgelassen werden. Bei mir war das anders. Ich habe keine journalistische Ausbildung, sondern habe Sozialwissenschaften und Arabisch studiert und mich ein Jahr lang in Kairo mit Leuten in meinem Alter beschäftigt. Darüber habe ich ein Buch geschrieben, und so sind die niederländische Tageszeitung de Volkskrant und die Redaktion der Nachrichtensendung Radio 1 Journaal auf mich aufmerksam geworden.
Bei meiner Ankunft in Kairo, hatte ich also kaum Erfahrung in dem Job, und obwohl ich bei der Zeitung und dem Radio einige Tage hatte reinschnuppern dürfen, dachte ich über den Journalismus nicht anders als ein durchschnittlicher Leser, Zuschauer oder Hörer: Journalisten wissen, was in der Welt los ist, die Nachrichten informieren uns darüber und sind dabei möglichst objektiv.
In den Jahren, die dann folgten, blieb von diesen Vorstellungen wenig übrig. Als ich Israel und Palästina »machte«, ging mein Glaube an die Möglichkeit einer neutralen Berichterstattung schnell flöten. In den Jahren davor – von der ersten Woche in Waw bis zu den Nachbeben des 11.September – hatte ich die Erfahrung gemacht, dass journalistische Arbeit in der arabischen Welt unmöglich ist. Man kann gar nicht wissen, was sich dort tut. Nicht als Journalist, und erst recht nicht als Zuschauer, Leser oder Hörer.
Es hat gedauert, bis mir das klar wurde, und manches habe ich erst hinterher kapiert. Die ersten Zweifel regten sich aber schon früher, und zwar mitten in dem Stress, der sich einstellt, wenn man eines Tages aufwacht und plötzlich Nahostkorrespondent ist.

Das Buch ist jetzt im Klett-Cotta Verlag lieferbar (www.klett-cotta.de) Informationen zum Buch